Die CentoMiglia am Gardasee ist für mich immer wieder eine ganz besondere Regatta. Ich bin sie bereits mehrfach gesegelt und freue mich jedes Mal, wieder dabei zu sein. In diesem Jahr hatte ich die Gelegenheit, als Steuermann auf 6Q, dem 45er Nationalen Kreuzer von Peter Koenig, teilzunehmen.
Viel Vorbereitungszeit hatten wir diesmal nicht: Uns blieb gerade einmal ein gemeinsamer Trainingstag, bevor es ernst wurde. Trotzdem fanden wir uns an Bord schnell zusammen und gingen mit einem guten Gefühl in das Regattawochenende.
Die CentoMiglia besteht aus zwei Wettfahrten. Am Samstag wird der erste Teil gesegelt, am Sonntag folgt die traditionsreiche Gorla. Start und Ziel liegen jeweils in Bogliaco. Die Boote werden nach ORC berechnet und aus den beiden Wettfahrten ergibt sich schließlich die Gesamtwertung.
Insgesamt waren 139 Boote am Start – vom klassischen Boot bis zu modernen und sehr schnellen Regattayachten.
Samstag – Leichtwind und Geduld
Die erste Wettfahrt führte von Bogliaco hinunter nach Desenzano und anschließend wieder zurück nach Bogliaco.
Der Gardasee zeigte sich an diesem Tag von seiner leichten Seite. Bei wenig und teilweise wechselndem Wind war vor allem Geduld gefragt. Man musste ständig beobachten, wo sich neue Windfelder entwickelten und welche Seite des Sees den besseren Druck versprach.
Gerade bei solchen Bedingungen kann eine Langstreckenregatta sehr anspruchsvoll werden, weil kleine taktische Entscheidungen über viele Stunden einen großen Unterschied machen können.
Für uns verlief der Tag gut und wir konnten uns eine sehr gute Ausgangsposition für den Sonntag schaffen. In unserer ORC-C-Klasse belegten wir den ersten Platz.
Sonntag – Sieg bei der Gorla
Am Sonntag stand die Gorla auf dem Programm.
Die Strecke führte wieder vom Start in Bogliaco nach Norden, vorbei an Limone bis nach Torbole, anschließend zurück über Navene und schließlich wieder ins Ziel nach Bogliaco.
Im Gegensatz zum Samstag erwartete uns diesmal kräftiger Nordwind. Bei bis zu rund 25 Knoten waren die Bedingungen deutlich sportlicher und 6Q konnte seine Stärken voll ausspielen.
Auf dem Weg nach Norden hieß es zunächst, das Boot sauber durch Wind und Welle zu steuern und gleichzeitig taktisch die richtigen Entscheidungen zu treffen. Gerade mit einem klassischen 45er Nationalen Kreuzer macht das bei diesen Bedingungen enorm viel Spaß.
Nach der Wende im Norden ging es wieder Richtung Süden. Wir konnten unsere Position weiter verbessern und am Ende ein Ergebnis erzielen, mit dem wir selbst in dieser Form nicht gerechnet hatten:
Wir gewannen die Gorla nach ORC über alle teilnehmenden Boote.
Auch in unserer ORC-C-Klasse bedeutete das den zweiten Sieg des Wochenendes. Mit zwei ersten Plätzen konnten wir unsere Klasse damit klar gewinnen.
Zweiter Platz in der Gesamtwertung
Nach den beiden sehr unterschiedlichen Regattatagen – Leichtwind am Samstag und kräftigem Nordwind am Sonntag – stand schließlich auch die Gesamtwertung fest.
Mit 6Q belegten wir den zweiten Platz in der Gesamtwertung der CentoMiglia.
Besonders gefreut hat mich dabei, dass wir mit einem klassischen 45er Nationalen Kreuzer in einem Feld von 139 Booten so weit vorne landen konnten und bei der Gorla sogar den ORC-Gesamtsieg über das komplette Feld holen konnten.
Immer wieder eine Reise wert
Die CentoMiglia ist für mich auch nach mehreren Teilnahmen noch immer eine außergewöhnliche Regatta. Das große und sehr unterschiedliche Starterfeld, die langen Strecken, die taktischen Möglichkeiten und natürlich die Kulisse des Gardasees machen sie jedes Mal wieder zu einem besonderen Erlebnis.
Dieses Jahr war es zusätzlich spannend, mit nur einem Vorbereitungstag auf 6Q anzutreten und am Ende mit zwei Klassensiegen, dem ORC-Gesamtsieg bei der Gorla und Platz zwei in der Gesamtwertung der CentoMiglia nach Hause zu fahren.
Für mich steht jedenfalls fest:
Die CentoMiglia ist immer wieder eine Reise wert – und ich freue mich schon auf das nächste Mal.
